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Gamefront: Die aktuelle Ausgabe


Daten:

System: Xbox 360 (getestet), PS3
Entwickler: Rebellion
Vertrieb: Sega
Version: PAL
Getestet von: Maik Bütefür


Besteht nach zwei schlechten Filmen überhaupt noch Hoffnung für die beiden Weltraum-Monster? SEGA meint ja und hetzt die Viecher noch einmal aufeinander.



1994 schufen die Entwickler von Rebellion mit Alien vs. Predator für Ataris Jaguar einen Aufsehen erregenden Shooter, den heute noch viele als Juwel für die gefloppte Konsole bezeichnen. 1999 folgte Aliens vs. Predator für PC und diesmal regnete es sogar zahlreiche Preise. Da müssten doch diese Jungs eigentlich prädestiniert sein die Reihe auf den aktuellen Konsolen neu aufleben zu lassen, oder? Ist natürlich Quatsch, schließlich sind die meisten Mitarbeiter von früher mittlerweile ganz woanders beschäftigt und hatten mit der Entwicklung vom neuen AvP herzlich wenig zu tun.

Am Konzept ändert das aber nix. Drei Kampagnen stehen zur Auswahl, die von Beginn an frei ausgewählt werden dürfen. Die Handlungen der drei Kampagnen verlaufen parallel und man bekommt die Sicht der jeweiligen Spezies zu sehen. Klingt in der Theorie spannender als es in der Praxis ist, da lediglich Handlungsorte erneut auftauchen - die dort spielende Handlung ist stets komplett unterschiedlich und die Gesamtstory wenig mitreißend. Als Marine geht's durch düstere Gänge mit den aus dem Film (Aliens von James Cameron) bekannten Waffen und einer Taschenlampe mit winzigem Lichtkegel.

Gelegentlich trifft man auf Teile seines Teams, den Großteil der Kampagne ist man allerdings alleine unterwegs. Als Predator darf man auf Energiekanone, Diskus, den Speer und Klingen an den Armen zurückgreifen und beschreitet eine Art Prüfungsweg. Für erfolgreich absolvierte Missionsziele gibt's neue Waffen und Anerkennung. Der Predator kann sich unsichtbar machen und so die jeweilige Lage sondieren. Auf Knopfdruck imitiert er menschliche Stimmen und lockt anvisierte Gegner an die gewünschte Stelle, um sie dort mit einem derben Finishing-Move auszuschalten. Ebenfalls hilfreich ist die große Sprungkraft: ein einblendbarer Cursor legt das Ziel fest und schon hopst der außerirdische Jäger von Ast zu Ast.

Das Alien ist zu Beginn in Gefangenschaft und wird von Forschern untersucht, die kurze Zeit später ihre Gehirne vermissen. Auf Knopfdruck geht's an Decken und Wänden entlang und Gegner müssen im Nahkampf ausgeschaltet werden. Als eine Art Sam Fisher aus dem All ist unauffälliges Zuschlagen aus der Dunkelheit und der anschließende Rückzug das Mittel der Wahl - größere Gegnergruppen verweisen den Xenomorph schnell in die Schranken. In allen drei Kampagnen gibt's was zu sammeln (Tonbänder als Marine, Schädel als Predator, Alien-Extrakt als Xenomorph), was aber recht lieblos implementiert wirkt. Lance Henriksen (Android Bishop aus Aliens) konnte als Darsteller verpflichtet werden und spielt den Industriemogul Weyland, der die ganze Chose überhaupt erst in Gang gebracht hat. Im Mehrspielermodus prallen alle drei Rassen aufeinander und erleben neben den Standard-Modi auch originellere Varianten.

Der Survivor-Modus hetzt bis zu vier Spielern als Marines Wellen von Aliens auf den Hals, bis es heißt: "Game over, man! Game over!". Predator Hunt versetzt einen Spieler in die Rolle des Jägers, der einen Marine nach dem anderen ausschaltet. Erlegt ein Marine den Predator, übernimmt dieser Spieler dessen Rolle. Eine ähnliche Variante gibt's im Infestation-Modus, mit dem Unterschied, dass hier gefallene Marines als Alien wieder ins Spiel kommen, bis der letzte Marine ins Gras gebissen hat.




Die Erwartungen waren niedrig, schließlich hat Rebellion in den letzten Jahren eigentlich nur Schrott entwickelt. Zahlreiche Videos hatten mich dennoch heiß gemacht und ließen die Hoffnung aufkeimen, dass hier ein Geheimtipp in der Mache war. Satz mit x. AvP ist zwar nicht unbedingt totaler Schrott und schon allein technisch besser als alles was die Jungs in den letzten fünf Jahren abgeliefert haben, von einem guten Spiel aber meilenweit entfernt. Dabei sind die Ansätze gar nicht schlecht.

Als Marine geht's anfangs durch schummrig beleuchtete Gänge und die popelige Funzel leuchtet kaum stärker als ne Fahrradlampe im Schritttempo. Hinter jeder Ecke befürchtet man den Tod und jede platzende Gasleitung sorgt für rasenden Puls. Leider halten die Entwickler das Niveau nicht sonderlich lange durch und spätestens im Dschungel fühlt sich das Spiel dann eher an wie ein Turok-Nachfolger. Das Leveldesign wirkt veraltet, die Animationen der Aliens beim Wechsel von Wand zu Boden sehen albern aus und billige Skripts drücken den ansonsten durchaus positiven Eindruck. Die Predator-Kampagne hat da schon grobere Schnitzer und Probleme.

Menschen sind leichter auszuschalten als Schmeißfliegen und die Spielmechanik ist schon nach wenigen Minuten strunzlangweilig. Aliens sind schwieriger zu bekämpfen, Spaß macht die Angelegenheit aber genauso wenig. Der Predator fühlt sich wenig glaubwürdig an und man hat eher das Gefühl zwei schwebende Fäuste durch die Gegend zu schieben. Der Diskus ist knifflig zu steuern und unzuverlässig, die Energiewaffe hat nur sehr wenig Saft - der später im Spiel zu findende Kampfstab dagegen ist eine absolute Überwaffe, die jeden Gegner auf der Stelle tötet und nach kurzer Zeit magisch wieder in der Hand des Predators erscheint. Die One-Hit-Kills sind pervers brutal und etwas über das Ziel hinausgeschossen. Die Filme waren auch nix für Zartbesaitete, aber was Rebellion hier auffährt, wird den Vorlagen nicht gerecht.

Schlimmer fürs Spiel ist die Tatsache, dass die One-Hit-Kills sieben bis acht Sekunden dauern, in denen man verwundbar bleibt. In einer Gruppe von Aliens hat man dann also zwar einen Gegner derb zerlegt, sieht kurz darauf aber trotzdem den Game Over-Bildschirm. Bliebe man unverwundbar, wäre das Spiel vermutlich ohne Energieverlust schaffbar, aber das Balancing passt so einfach nicht so recht zusammen. Als Alien sieht die Sache ähnlich aus, nur dass man hier im Verlauf des Spiels keine neuen Gadgets oder Waffen bekommt. Immerhin kann man sich nach einem Kill recht fix wieder verdrücken und die Gegner so einen nach dem anderen ausschalten.

Spätere Levels nerven mit schlechten Skripts und noch schlechterer Levelarchitektur, die dem Bewegungsrepertoire des Aliens nicht entgegenkommt. Beiden Kampagnen gemein ist die lausige KI der menschlichen Gegner und deren unfassbare Einsilbigkeit. Rebellion hat im Audio-Bereich gespart und nur eine Handvoll Sprüche für die Marines aufgenommen. Den Satz "Don't Relax just yet, marines!" hab ich ungelogen mindestens 500 Mal im Verlauf des Spiels gehört! Dadurch geht jede Menge Atmosphäre flöten und die Geschichte driftet ins unfreiwillig komische ab. In allen drei Kampagnen gibt's Bosskämpfe, die in ihrer Primitivität an längst vergessene Zeiten erinnern.

Im Mehrspielermodus spielen KI und Skripting keine Rolle, hier kommen ganz andere Macken ans Tageslicht. Das Matchmaking ist öfter mal sterbenslangsam und die Levelarchitektur fast schon unverschämt billig. Kann man spielen und ist zumindest ein originelles Setting, wer aber High-End-Shooter gewohnt ist, der wird hier nach wenigen Runden die Disc wieder aus dem Laufwerk holen und nie wieder einlegen. AvP ist ein Blender. Die (stellenweise) ganz schicke Optik und die ultrabrutalen Finishing-Moves können aber auch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Rest Ego-Shooter-Durchschnitt ist - von 1998!

Rebellion war überfordert und es bleibt zu hoffen, dass Gearbox mit Colonial Marines mal hinmacht und was besseres auf die Beine stellt. Eine Sache, die mich auch schon bei Alien³ gestört hat, sind die Eier. Diese werden von der Königin gelegt, wie also kommt ein Ei (oder im Fall von Avp gleich Dutzende) an die unmöglichsten Stellen? Hat die Queen Mittagspause gemacht und auf dem Rückweg von McDonalds schnell noch ein paar Eier gelegt?




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