Home / News
Reviews
Contact
Shop
News Archiv

Print Magazin
Gamefront: Die aktuelle Ausgabe


Facts:

System: PlayStation2
Entwickler: Konami
Vertrieb: Konami
Version: USA
Test in GAMEFRONT # 42


Auweia... Statt auf das Saugen von Blut konzentriert man sich in Draculas Schloss lieber auf das Aussaugen des Spielspaßes.



Entführung im 11. Jahrhundert: Leon Belmonts Verlobte Sara Trantoul ist plötzlich verschwunden. Der Edelmann macht sich auf die Suche und trifft in einem Wald den mysteriösen Rinaldo.
Der alte Mann gibt Leon eine Peitsche als Waffe und den Tipp, dass sich die holde Maid in einem nahegelegenen Schloss befindet - sofort betritt Leon die unwirtliche Burg, in der dämonische Kreaturen ihr Unwesen treiben.

Der Kidnapper Dracula hat sich allerdings in den tiefsten Gewölben verschanzt. Erst wenn fünf magische Siegel aktiviert sind, ist der Weg für Leon frei. In der Eingangshalle erreicht man mittels Teleportern die fünf Levels; die Reihenfolge ist frei wählbar. Im Geister-Theater läuft man an Bühnen und Bücherregalen vorbei.
Der 'Garten der vergessenen Zeit' zeigt Pflanzen, der 'Dark Palace of Waterfalls' Kanal-Systeme und Wasserfälle. Über achtzig verschiedene Monster lauern in den Räumen, die mit Gängen verbunden sind.

Der wendige Schattenwolf greift meistens aus dem Hinterhalt an. Die kleinen Fliegenmänner tauchen im Rudel auf und verletzen Leon mit Pranken-Hieben. Aus sicherer Entfernung zielt der Skelett-Bogenschütze, während der Zyklop mit einer gewaltigen Keule um sich schlägt. Die magische Peitsche ist Leons Standard-Waffe. Mit ihr prügelt er einfache Zombies nieder, mächtige Astral Ritter zerplatzen nach einer Schlagserie in einer Blutfontäne. Später lernt man Rundumschlag, Kombinations-Schläge in der Luft und über zehn weitere Attacken. Mit R1 blockt man, durch die Sprungtaste weicht man Morgensternhieben aus.

Aus einigen Räumen entkommt man erst, wenn alle Gegner besiegt sind - bis dahin bleiben die Türen verschlossen.
Kehrt man in einen Raum zurück, sind alle Feinde wieder da: Man läuft entweder rasch zum nächsten Ausgang oder greift an, um Geld und Gegenstände zu bekommen. In jedem Schloss-Abschnitt gibt es einen Endboss: Der Medusakopf lässt zu Stein erstarren, der Golem schwingt eine Stahlkugel. Neben dem Vampir Joachim kämpft man auch gegen einen extrem starken Doppelgänger.

Die Kamera folgt Leon immer automatisch, manuell ist sie nicht verstellbar. R3 öffnet jederzeit ein Menü, in dem man Gegenstände, Ausrüstung und Waffen wählt. Allerdings läuft die Action weiter, und das Spiel geht nicht in den Pausemodus wie in Ratchet & Clank 2. Neben Monsterdezimierung tüftelt man mit Schaltern, um Brücken zu aktivieren und im Weg stehende Wasserfälle auszuschalten. Das Verschieben von Statue oder Sockel aktiviert bis zu drei Schlösser einer Tür pro Level.

Durch das Zertrümmern von Fackeln und Podesten bekommt man Geld und Herzen. Die Herzen erhöhen den Vorrat an Energie, die man für Sekundärwaffen benötigt: Weihwasser, Kreuz und Axt kennt man schon aus den Vorgängern. Jetzt sind sie aber um sieben Angriffsarten erweitert. Via R1 wählt man das Manöver aus.
Sie fliegen im Dutzend um Leon herum oder gebündelt als Riesenaxt nach vorne, während man das Kreuz als Schutzschild meterhoch vor sich aufbaut.

Mit einem 200 Goldstücke teuren magischen Ticket teleportiert man sich jederzeit zu Rinaldos Haus. Der Gefährte verhökert Heiltrank, Rüstung und fürs Zaubern wichtige Relikte. Um nicht durchs ganze Schloss zurückzulaufen, teleportiert man sich mit einem 'Memorial Ticket' zum letzten Speicherpunkt zurück - 800 Goldstücke vorausgesetzt.

Die Select Taste ruft eine Karte auf, die sich drehen, zoomen und rotieren lässt. Hat man die entsprechende Karte im Abschnitt des Schlosses gefunden, sind alle noch nicht besuchten Räumen grau eingezeichnet. Wichtige Orte wie eine verschlossene Tür lassen sich mit Punkten markieren, um sie später schneller wiederzufinden. Speicherpunkte sind rot auf der Karte verzeichnet. An ihnen frischt man auch seine Energie wieder vollständig auf.

Im Haupt-Menü verbirgt sich eine Enzyklopädie sämtlicher Monster: Man erfährt Schwächen, Trefferpunkte und welche Objekte sie hinterlassen.




Nach den verkorksten Nintendo 64-Versionen ist auch der PS2-Ausflug in die dritte Dimension misslungen.
Die Räume sind eintönig und trist. Wie Plattenbauten wiederholen sich innerhalb eines Levels Texturen und Architektur. Man ist in einem Gewölbe mit Kochstelle, Hockern und Ketten.
Gleich nebenan ist derselbe Raum, etwas weiter noch einer - lediglich das Gemälde auf dem Boden ist anders. Verbindungsgänge mit dem immer gleichen Aufbau lassen die Füße einschlaffen.

Ähnlich 'aufregend' ist Leons Kampf spielerisch: Monster killen, ab durch den Gang in den nächsten Raum; Monster killen, wieder raus in den nächsten Raum - so prickelnd stelle ich mir Fließbandarbeit in einer Fabrik für Büroklammern vor. Der Schwierigkeitsgrad ist niedrig, viele Räume sind schon nach wenigen Sekunden befreit. Auch die Endgegner sind oft schon im ersten Anlauf Geschichte.
Wählt man Gegengift oder Spezialangriff via Tastendruck, geht das Spiel nicht in den Pausemodus: Beim Blättern durchs Inventar schielt man mit einem Auge auf den panisch flüchtenden Leon, während man gestresst das Marschgepäck durchwühlt.

Die Kamera begeht nach dem Einschalten der Konsole Suizid: Oft stehen Kreaturen außerhalb des Bildschirms und sind nicht von der Kamera erfasst. Läuft man in der Kanalisation zurück, sind alle Feinde vor Leon nicht zu sehen - dementsprechend kriegt man die Stahlkugel in die Fresse oder rennt gleich in einen Dämon rein.
Eine Steigerung sind Sprungpassagen, in denen man mit der Peitsche an sich auf und ab bewegende Stangen springt. Da die nächste Stange erst mitten im Sprung zu sehen ist, stürzt man häufig ab und muss von vorne beginnen.

Musikalisch holt Konami den Leierkasten raus und liefert den schlechtesten Soundtrack aller Castlevania-Spiele ab - selbst auf dem NES gab's Besseres. Pro Level gibt es ein musikalisches Hauptthema, das bis zum Endgegner durchläuft. Nur in ein paar Räumen mit besonders starken Gegnern wechselt die Musik für eine Minute, danach läuft immer wieder dasselbe Lied - eine absolute Frechheit.

Technisch überzeugen stabile 60 fps und eine hervorragende Karte, die mit Zoom- und Drehfunktion keine Wünsche offen lässt. Auch die 2D-Gegner hat Konami gut in 3D transferiert, ordentlich animiert und mit coolen Schreien ausgestattet.

Dennoch ist das zu wenig, um an Meilensteine wie Castlevania: Symphony of the Night (PSone) heranzukommen: Keine Geheimnisse und wenig Forschen, dafür stures Durchlaufen und Tastengehämmer in den simplen Gefechten - Devil May Cry für Arme. Überhaupt hat Capcoms 'Stylish Hard Action'-Titel mehr zu bieten: Dramaturgie, Grafik und Atmosphäre sind bei Dantes Höllentrip einfach besser. Castlevania enttäuscht mit einem langweilig konstruierten Schloss, monotonen Räumen und einem Gähn-Soundtrack.
Patzer wie die vermurkste Objekt-Verwaltung im Kampf oder gruselige Kameraführung lassen selbst Dracula angsterfüllt die Flucht ergreifen.




Ganz wohl war mir nicht bei dem Gedanken, als Konami ein 3D-Castlevania ankündigte. Und ich hatte Recht: Die PS2-Version verkommt in ein mittelmäßiges Actionspiel, das nicht an die Qualität früherer Episoden heranreicht.
Das ganze Schloss wirkt lieblos zusammengeschustert. Die ständigen Wiederholungen der immer gleichen Räume nerven. In dem Kämpfen schlug ich ausschließlich mit /\ auf die Gegner ein und warf ein paar Äxte - fertig.

Der Hammer ist die Musik: Als ich im ersten Level war und ihn nach einer Stunde beendet hatte, dudelte immer noch dasselbe Lied wie beim Betreten des Schlosses aus den Boxen - will mich Konami verarschen?
Ich habe etliche Castlevania Soundtrack CDs, doch was auf der PS2 zu hören ist, verdient nicht den Namen Castlevania. Puzzles gibt's kaum, sieht man mal von dem Umdrehen einiger Statuen ab. Dafür schwachsinnige Hüpfpassagen mit Peitsche und eine idiotische Gegenstands-Verwaltung: Mitten im Kampf muss man Relikte wählen, Heiltrank aussuchen und Spezialmanöver der Zweitwaffe wählen. 'Natürlich' läuft das Spiel weiter und die Feinde greifen unaufhaltsam an. Pause? Nein, danke.

Die Monster sehen immerhin gut aus, sind fein animiert und haben vielfältige Manöver. Die Steuerung ist schnell und direkt, Angriffe und Richtungswechsel sind ruckzuck ausgeführt. Auch der Ausbau der Spezialwaffen Kreuz, Weihwasser und Axt ist sinnvoll - bitte in einen Nachfolger übernehmen!
Fazit: Castlevania ist in allen Belangen schwache Durchschnittskost. Wem selbst das beschisssene Devil May Cry 2 gefallen hat, der fühlt sich in Draculas Valium-Schloss wohl.





Zurück zur Startseite | Impressum Übersicht Reviews