Test in Ausgabe: 31 (05/00) 
System: PlayStation 
Hersteller: Squaresoft
Version: USA 
   

Nein, das ist nicht sein Tag: Eigentlich sollte Kazuki Takemura mit seinem Kollegen Ryogo Kusama lediglich eine Wanzer-Lieferung zur Yokosuka Basis liefern. Das ist schliesslich Ihr Job als Angestellte des Wanzer-Herstellers Hirishima Industries, die sich im Jahr 2112 auf die Entwicklung dieser Mech-Roboter spezialisiert hat. Leider ereignet sich plötzlich eine Explosion, als Kazuki und Ryogo auf der Basis angelangt sind. Ehe sie sich versehen, werden sie für die Detonation verantwortlich gemacht und vom Militär gejagt. Ihnen gelingt die Flucht, die sie geradewegs in ein Abenteuer stürzt, das sie durch die halbe Welt führen wird.
Front Mission 3 ist nach Front Mission Alternative, das nur in Japan erschien, ein rundenbasiertes Strategiespiel. Im Mittelpunkt stehen die Wanzer, jene stählernen Mechroboter, in denen ein Pilot gleich einer Festung in den Kampf zieht. 
Front Mission 3 besteht aus drei Schwerpunkten: Die Kämpfe, das Aufrüsten und die Story. 

Die Geschichte wird hauptsächlich zwischen den Kämpfen erzählt. Wie in einem Rollenspiel tauchen die Gesichter der Redner neben einem kleinen Dialogkasten auf. Auf einer Landkarte zieht die Truppe automatisch von Ort zu Ort. Ebenso lungert sie in den unterschiedlichsten Gebäudekomplexen herum. Neben Militärbasen, Rebellenburgen und Lagerhallen, verirren sich die kampferprobten Wanzer-Piloten auch mal in eine Kneipe. In jedem Ort treffen sie auf die verschiedenartigsten Personen: Dubiose Geschäftemacher, gestylte Geschäftsleute, vergnügungslustige Frauen, Diebe oder Soldaten. Mit einigen Charakteren werden nur kurze, belanglose Gespräche geführt. Andere plaudern ausgiebiger und schliessen sich der Party ggf. für kurze Zeit an. 
Vor bzw. nach jedem Kampf hat man die Möglichkeit seine Wanzer in die Werkstatt zu schleppen. Die haushohen Ungetüme brauchen mehr als einen Tropfen Öl und so darf an jedem „Körperteil“ und jeder Waffe herumgeschraubt werden. Mit dem in den Kämpfen verdienten Geld werden Ersatzteile, neue Bordcomputer, bessere Schutzschilde, Upgrades oder neue Waffen gekauft. Allerdings muss man beim Kauf beachten, dass das zulässige Höchstgewicht des Wanzers nicht überschritten wird. Andernfalls bricht er unter der Last zusammen. Abhilfe schafft der Kauf eines gänzlich neuen Models, welches über mehr Power verfügt. Jeder Wanzer ist unterteilt in die Bereiche Arme, Beine, Body und Schultern. Ausserdem kann der Bordcomputer aufgemöbelt werden, sowie ein Backpack auf den Rücken des Riesen geschnallt werden. In das Backpack darf man entweder hilfreiche Items wie z.B. energiespendene Extras, Raketennachschub, mitführen, oder eine Zusatzbatterie, die das Stahlmonster mit mehr Energie und Kraft versorgt. 
Das Waffenreper-toire ist umfangreich ohne Ende: Machine Guns, Rifles, Fists, Grenade Launchers, Neutron, Shields oder Flamers sind nur einige Angebote des riesigen Sortiments. 
Wem bei all den Einkäufen das Geld ausgeht, der braucht nicht jammern: In einem Simulator können die neuesten Errungenschaften nicht nur auf Herz und Nieren geprüft, sondern auch Experience Points und Geld verdient werden. Natürlich kann man auch durch den Verkauf seines eigenen Equipments die Portokasse etwas auffüllen. 
Nach all der Theorie folgt die Praxis, was im Fall von Front Mission 3 die Kämpfe sind. Alle Objekte auf dem viereckigen Schlachtfeld werden mit Polygonen dargestellt. Über das Terrain wurde ein Schachbrettmuster gelegt, auf dem Freund und Feind abwechselt ihre Züge vollführen. Zuvor darf man seine Mannschaft, die im Kampf i.d Regel aus vier Wanzer besteht, auf dem Feld plazieren. Dann geht es auch schon los: Abwechselnd setzt man seine Wanzer in eine möglichst gute Position und rückt dem bis an die Zähne bewaffneten Gegner zu Leibe. 
Nach einem Zug kann man entweder einen Gegenstand benutzen oder einen Angriff starten, sofern ein Feind in Reichweite ist. Dies hängt natürlich auch von der Waffengattung ab, die mitgeführt wird: Raketenwerfer heizen selbst einem weit entfernten Gegner ein, während Shotgun & Co. sich eher auf nahegelegene Ziele konzentrieren. Wer mehrere Waffen pro Wanzer verwendet, darf zwischen ihnen wechseln, je nachdem wie es die Situation erfordert. Die Kampf-Grafik gleicht der auf der Karte, was den Vorteil hat, dass keinerlei Ladezeiten entstehen. Ganz Ungeduldige können den Kampf sogar per Tastendruck abbrechen. Auf einen Angriff folgt natürlich eine Reaktion: Hat man einen feindlichen Wanzer mit Blei vollgepumpt, erwidert er meistens das Feuer. Die Schäden verteilen sich dabei auf die Bereiche Body, Pilot, Arm Left, Arm Right und Leg. Wurden die Beine zerstört, so humpelt der Wanzer nur noch Kästchen für Kästchen nach vorne. Bei zerstörten Armen hat er die Waffe verloren, die diese zuvor gehalten haben. 
Wurde hingegen der Body vernichtet, so explodiert der Wanzer und verschwindet von der Karte. Es ist jedoch möglich Schäden zu reparieren. Entweder durch Hit Points spendende Items oder sogar durch Wiederherstellung eines komplett vernichteten Körperteils. Die Piloten können allerdings auch Schaden erleiden, wie z.B. durch die Status-Änderung „stunned“, die den Kämpfer jede Aktionsmöglichkeit für einen kurzen Zeitraum raubt. Ein Pilot kann seinen Wanzer auch verlassen. Zu Fuss kann er mit der Pistole gegen die zigfach grösseren Feinde antreten oder auch andere Wanzer entern. Dazu reicht es, sich in einen verlassenen Wanzer zu schleichen und mit ihm den Kampf fortzuführen. Wurde der Feind eingeschüchtert, so verlieren einige Truppen sogar die Moral. Sie schwenken die weisse Flagge und ergeben sich. Manchen Einheiten überlegen sich ihre Einstellung und kämpfen nach einer Weile doch wieder mit. 

In den Kämpfen gewinnt man am Ende nicht nur Geld, Experience Points und Medaillen. Auch wichtige Features wie die Battle Skills landen auf der Haben-Seite der Party. Die Battle-Skills sind besonders Eigenschaften, die im Kampf zum Einsatz kommen (s. Kasten). 
Wer Front Mission 3 durch hat braucht nicht verzweifeln: Dank eines Double Szenario System gibt es zwei Storys, die man miterleben kann: Alisa und Emma. Gleich nach dem Spielstart hat man die Wahl, welche der beiden Geschichten man verfolgen möchte. Will man Ryogo begleiten, landet man in der Emma Story. Lässt man Ryogo die Wanzer alleine abliefern, so durchläuft man die Alisa Story. 

Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt bildet das Internet, hier das Virtual Web, das im Story-Bereich bei den Dialogen zur Geltung kommt. In den Menüs darf nicht nur in den Shops gewühlt werden, sondern auch ein Internet betreten werden. Hier durchstöbert man seine Emails oder versendet welche. Auf verschiedenen Homepages findet man mehr oder weniger nützliche Informationen. Sogar Tools zum herunterladen gibt es, mit denen man beispielsweise codierte Texte entschlüsseln kann. In Foren und Message-Board kann man Beiträge von Söldnern, Wissenschaftlern, Regierungsangestellten oder Zivilisten lesen, die sich unmittelbar auf die Story beziehen. Einige Seiten besitzen Passwörter, die man entweder im Kampf oder per Email erhält. Während des Spiels werden einige Seiten geupdatet und auf den neusten Stand gebracht. Man informiert sich über die Feinde, nimmt Kontakt zu Untergrundtruppen auf oder hält sich über die neuesten Waffenentwicklungen und politischen Veränderungen auf dem Laufenden. Auch die Emails wirken sich auf die den Verlauf aus: So erhält man von Woo, einem Mann, der einen per Email kontaktiert, stets andere nützliche Dinge, je nachdem was man ihm in einer Antwort-Email als Dateianhang mitgeschickt hat. Das Internet ist sogar der Zugang zum stärksten aller Wanzer, dem Hoshun, der aufgrund seiner Stärke nur einmal vorkommt. 
Ein kleiner Tipp: Auf die Armored Kinkakuji BBS gehen und die dritte Nachricht (Uhrzeit AM 46 / EM 48) lesen... Alternativ kann der Hoshun aber auch im Kampf „verdient“ werden. Gespeichert wird entweder während der Kämpfe oder ausserhalb in den Menüs. 

(Weitere Infos zu Front Mission 3 (z.B. Erklärung der Battle Skills) beim Test in GAMEFRONT # 31)
 
 

FRANK SAYS:

Mit Front Mission 3 unterstreicht Squaresoft seine Position als einer der besten Lieferanten für Strategiespiele. Die Erwartungen lagen gerade im Hinblick auf Final Fantasy Tactics sehr hoch und sie wurden auch nicht enttäuscht. 
Das Ausrüsten der Wanzer steht wie in den anderen Front Mission Episoden neben den Kämpfen im Mittelpunkt. Hier zeigt sich die Benutzerführung zwar etwas komplex, aber einfach zu beherrschen. Alle Optionen sind schnellstens ausgeführt, die Struktur ist übersichtlich und nach einer kurzen Einspielphase effektiv in der Bedienung. Das Shoppen kann einen länger beanspruchen als ursprünglich geplant, denn beim Versuch die möglichst beste Konfiguration für den Wanzer zu erhalten, verstreichen die Minuten in Windeseile. 

Experimentieren wird natürlich gern gesehen und so hat Squaresoft gleich einen Simulations-Modus mitgeliefert, in dem die neusten Updates getestet werden können. Absolut fair ist die Möglichkeit in den Kämpfen sogar Geld zu verdienen, so dass man trotz zuvor kleinem Geldbeutel einen Grosseinkauf starten kann. So sehr mich die umfangreichen Einstellmöglichkeiten an den Wanzern begeistern, Anfänger werden von dem Überangebot an Waffen und Optionen regelrecht erschlagen. Hier hätte es alternativ einen Optimierungsmodus geben müssen, mit dessen Hilfe der Computer einen Wanzer automatisch mit der bestmöglichen Ausrüstung ausstattet. Diese Funktion gibt es auch in einigen Rollenspielen und sie hätte gerade Einsteigern geholfen. 
Die Gestaltung der Menüs, die Zeichensätze und das Artwork sind mit der nötigen Front Mission-Kühlheit gesegnet: Funktionalität mit Stil, lautet die Devise.
Die Story entwickelt sich zu einem umfangreichen Plot, bei dem man den roten Faden nicht verlieren sollte. „Schuld“ haben die zahlreichen Dialoge, mit denen es Squaresoft aber stellenweise übertreibt. So müssen Gespräche und Diskussionen manchmal bis zu 15 Minuten mitgelesen werden, was auf die Dauer ziemlich ermüdend sein kann. In weiser Voraussicht hat Squaresoft wohl eine Skip-Funktion auf die Start-Taste gelegt, mit der sich alle Gespräche abbrechen lassen. Und gelegentlich erwischt man sich sogar dabei, die Start-Taste zu benutzen - natürlich nur aus Versehen. 

Die innovative Internet-Funktion ist eine Bereicherung, die sich unmittelbar auf das Spiel auswirkt. Generell muss man sie nicht nutzen, doch entgehen einem viele Dinge, die den Plot verdichten. Dabei ist es wie im wahren Leben, denn zum Grossteil befinden sich nur unnütze Infos auf den Websites. Dafür darf  man Hackerangriffe starten, sich mit Daten aus dem feindlichen Lager versorgen oder nützliche Hilfsmittel für das Entschlüsseln von Nachrichten downloaden. Allerdings besteht die Gefahr, dass man sich in den Wirren des Netzes verläuft und den Blick für's Wesentliche verliert. Doch das liegt an jedem selbst: Wer die Internet-Funktion gewissenhaft und massvoll nutzt, taucht tiefer in die Front Mission-Welt ein. Wer sie jedoch überstrapaziert, der hat Schwierigkeiten die immense Informationsflut richtig zu verarbeiten, was eher Verwirrung stiftet. Überschaubarer ist dafür die Email-Funktion: Hier gibt es ebenfalls Lesestoff, der sogar beantwortet werden kann. Insgesamt ist das Internet- und Email-System eine ebenso brillante wie originelle Idee, die nicht nur zeitgemäss ist, sondern ideal ins Front Mission Universum passt. 

Die Kämpfe konnten im Gegensatz zu Front Mission 2, das leider nur als japanische Version erhältlich ist, in vielen Punkten zulegen. Auffallend ist das Nichtvorhandensein von Ladepausen. Denn die Kämpfe finden auf der regulären Oberwelt-Karte statt, so dass nicht extra erst ein Kampfscreen wie z.B. bei Front Mission 2 oder Final Fantasy VIII geladen werden muss. Mit einem eleganten Schwenk führt die Kamera einen Zoom zum Angreifer hinunter und setzt den Schlagabtausch mit mannigfaltigen, dramatischen Bildschnitten pompös in Szene: Splitscreens, Ego-Perspektiven und Ansichten aus Gegnerposition sind nur ein paar wenige der filmreifen Darstellungen. Mir persönlich gefällt die Kamera, welche eine zielsuchende Rakete über das gesamte Spielfeld verfolgt, am besten. Doch diese exorbitante Form der Präsentation hat auch ihren Preis: Die Grafik während der Kämpfe ist gelinde gesagt schäbig. Die „Thantalus“-Texturen wabbern und verziehen sich um die Wette. An allen Ecken und Enden ruckeln Monster-Texturen durchs Bild. Positiv fallen lediglich die Wanzer mitsamt ihren Animationen sowie die Explosionen auf. Nett: Die Wanzer vollführen bei einem Sieg eine coole Siegerpose wie in einem Prügelspiel. So mittelprächtig die Grafik auch ist, man sollte auf keinen Fall vergessen, was die Gegenleistung dafür ist: Keine Ladezeiten. Natürlich hätte man die Kampfszenen aufwendiger gestaltet können, doch hätte die PlayStation dann nachladen müssen. Selbst wenn dieser Vorgang nur 10 Sekunden dauern würde (in die Kämpfe rein und nochmal 10 Sekunden wieder raus auf die Karte), hätten wohl die Meisten entnervt das Joypad in die Ecke geballert. Ich bevorzuge ganz klar die „Ladefreie Zone“ und nehme dafür eine solche Grafik in Kauf.

Was ich auf der Oberweltkarte während der Kämpfe vermisse ist eine vernünftige Übersichtsfunktion. Man kann sich die Position aller Einheiten weder auf einer einzigen kleinen Karte anschauen, noch per Zoom das Geschehen in eine, den Situationen angemessene, passendere Perspektive bringen. 
Die Gegner-Intelligenz zeigt sich moderat, könnte aber härter sein. Ich hatte in kaum einer Stage jemals ernsthafte Probleme oder den Fall, dass ich mir eine geeignete Strategie oder Vorgehensweise zurechtlegen musste. Überspitzt gesagt verharrte ich manchmal länger bei den Dialogen als in den Kämpfen. In anderen Strategiespielen gab es Level, in denen man sich eine richtige Taktik erarbeiten musste. Allein die erste Stage von Warsong übertrifft den strategischen Gehalt sehr vieler Front Mission 3 Szenarien. Dass man nur in einer kleinen Truppe kämpfen kann macht die Front Mission Duelle auch nicht gerade anspruchsvoller. 
Desweiteren sind mir weit entfernt stehende gegnerische Truppen häufig zu passiv und reagieren nicht selbständig. Selbst wenn sie die Schlacht durch einen Angriff für sich entscheiden könnten, verharren sie so lange in ihrer Position, bis sich ihnen der Spieler genähert hat. Erst dann ziehen sie auf dem Feld voran und greifen (sobald sie sich in Waffenreichweite befinden) in das Geschehen ein. Ausgeklügelte Mehrfrontenkämpfe lassen sich ebenfalls nur selten blicken. 

So macht Squaresoft einen Spagat zwischen Anfängern und Profis, trifft dabei in der Mitte aber genau jenes motivierende Mass an Unterhaltung, dass beide Gruppierungen trotzdem bis zum Ende durchhalten lässt. 
Noch eine kurze Randbemerkung zu den Kämpfen: Wieso ist ein Soldat, der ausserhalb eines Wanzers auf dem Spielfeld steht, nicht mit einer einzigen Rakete zu töten? Selbst die Rakete ist grösser als er selbst. Es sieht irgendwie merkwürdig aus, wenn ein Däumling neben einem zig Meter grossen Wanzer steht und dieser mit einer Shotgun, so gross wie ein Kleinbus, auf den Soldaten feuert, dieser nur „Uah!“ schreit, ein paar Hitpoints verliert, aber weiterlebt. Scheinen ganz harte Kerle zu sein....

Front Mission 3 ist nach einer langen Durststrecke endlich wieder ein mitreissendes Strategie-Epos, dass sich kein Fan entgehen lassen sollte. Zwar reicht es an Geniestreiche wie Final Fantasy Tactics nicht heran, doch bietet es ausreichend Spieltiefe und, unter Abzug einiger grafischer Mängel, eine technische Klasse, die es zu einem Pflichtkauf werden lässt. 
Front Mission 3 ist eines jener Juwelen, die einen Ehrenplatz in jeder gut sortierten Videospiele-Sammlung einnehmen und niemals verkauft werden sollten - selbst wenn man die Konsole nicht mehr besitzt.