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Gamefront: Die aktuelle Ausgabe


Facts:

System: PlayStation2
Entwickler: Team Soho
Vertrieb: Sony
Version: PAL
Test in GAMEFRONT # 45 März 2005


Angelehnt an GTA, kämpft man in London als Cop gegen eine mächtige Verbrecherorganisation.



Mit The Getaway versuchte Sony 2002 an den Erfolg von Rockstars GTA-Serie anzuknüpfen. Das Ergebnis war zwar mittelprächtiger Qualität, an den Ladenkassen räumte das schwer verdauliche Abziehbild trotzdem ab. Der unerwartete Geldsegen bringt jetzt einen Nachfolger hervor: Sergeant Ben Mitchell ist Mitglied einer Londoner Spezialeinheit. Nach einer missglückten Razzia wird er mit Verdächtigungen seiner Kollegen, einer brutalen Verbrechenswelle und dem mächtigsten Mann Londons konfrontiert.

In The Getaway Black Monday kurvt man durch das Straßennetz Londons zum Einsatzort, Blinker am Wagen informieren über rechtzeitiges Abbiegen. Die Innen-Levels sind größer und zahlreicher als in GTA: Mitch läuft aus einer Von-Hinten-Ansicht durch ein baufälliges Hochhaus und Kanäle einer U-Bahn-Station.

Die Kamera folgt selbständig, das Blickfeld lässt sich mit dem rechten Stick lediglich etwas schwenken; weder im Auto noch zu Fuß gibt es neben der Standardperspektive Alternativen.

Das Maschinengewehr feuert via [] Taste, eine Zielerfassung gibt's nicht. Mit gedrückt gehaltener R2-Taste und dem linken Stick zielt man mit der Pistole manuell, während der Held stehen bleibt. Zwischen den Waffen schaltet man mit R3 um.

Wie im Vorgänger kuriert Mitchell Schusswunden durch Lehnen an der Wand. An jener schleicht er mit der X-Taste auch entlang, lugt durch Türrahmen und um die Ecke. Neue Munition für Schrotflinte und Magnum sammelt er beim Drüberlaufen auf, mit der X-Taste macht er beim Laufen ein Rolle vorwärts.

Später steuert man noch den Amateur-Boxer Eddie und Hackerin Sam, deren Handhabung sich etwas von Mitch unterscheidet. Sam schaut sich via R2 frei um, wechselt mit O in den Schleichmodus und schielt mit /\ durch's Schlüsselloch. Eddie kombiniert Richtungsänderungen am linken Stick mit den Joypad-Tasten, um Gegner in den Magen zu schlagen oder ihnen einen Aufwärtshaken zu versetzen.




Frage: Wie schafft man es, ein Machwerk wie Driv3r zu unterbieten? Antwort: Man gibt 'Team Soho' eine warme Mahlzeit, ein T-Shirt und eine Zehnerkarte für's Solarium, schon wüten diabolisch motivierte Mitarbeiter an einem fragwürdigen Spiel, das als The Getaway Black Monday zum Kaffeesatz der GTA-Klone wird.

Doch vielleicht haben es die Engländer auch nur gut gemeint, denn um die Handlung hat man sich schon ein paar Gedanken gemacht. Die Geschichte ist mitreißend und dramatisch inszeniert und mit interessanten Charakteren besetzt. Leider sind die Dialoge auf einer Fäkalebene, dass man glaubt, in einem akustischen Schweinestall zu sitzen - selbst C.J. aus GTA San Andreas könnte hier noch den ein oder anderen Kraftausdruck lernen.

Dilettantisch modellierte Charaktere erzeugen Lacher: Die Köpfe - insbesondere der von Mitch - sind viel zu groß, wodurch sie aussehen wie Wasserköpfe. Die Ohren sind spitz wie bei Vulkaniern, Gesichter maskenhaft wie von Odo aus Star Trek: Deep Space Nine.

Mit der chirurgischen Präzision einer Abrissbirne poltert die Kamera durch die ruckelige Grafik, stets bemüht, dem Spieler möglichst nichts zu zeigen. Immer im Schlepptau, die hakelige Steuerung: Träge reagiert das Joypad, lahmarschig gehorcht der Charakter. Eintönige Melodien, die an billige Klingeltöne erinnern, lullen das zähe Fortbewegen passend ein.

Manche Feinde reagieren gleichgültig oder am besten gar nicht. Trotz reichlich Gegenfeuer stehen einige der Patienten teilnahmslos rum, laufen wie eine Borg-Drohne desinteressiert vor mir her und schauen erwartungsfroh zu, wenn ich einen ihrer debilen Kollegen in Handschellen lege.

Während einer Autofahrt brabbelt ein verwundeter Mitch ständig vor sich hin und sagt eigentlich genau das, was der Spieler schon die ganze Zeit denkt: 'Ich mach's nicht mehr lange!'

The Getaway Black Monday ist angesichts von Kalibern wie GTA San Andreas eine Lachnummer, gegen die selbst Driv3r ein Meisterwerk ist. Technisch desaströs, spielerisch langweilig, ist die Reise nach London eintönig und enttäuschend. Selbst die ordentliche Geschichte schafft es nicht, das kreativ bankrotte Spiel aus dem Gulli zu ziehen - wirklich ein 'Black Monday' für Team Soho.





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