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Gamefront: Die aktuelle Ausgabe


Facts:

System: Xbox
Entwickler: Starbreeze Studios
Vertrieb: Vivendi
Version: USA
Test in GAMEFRONT # 44


Charakterdarsteller. Oscar-Anwärter. UN-Botschafter. Vin Diesel ist vielseitig und jetzt Star in einem Videospiel.



Eingepfercht in einer dreckigen Zelle, den Misshandlungen skrupelloser Wachen ausgeliefert und umgeben von brutalen Häftlingen gibt es für Riddick nur einen Gedanken: Flucht aus dem Supergefängnis Butcher Bay.
Chronicles of Riddick handelt vor dem gleichnamigem Actionstreifen mit Vin Diesel. Der Ego Shooter bietet auch Nahkämpfe mit Faust und Schlagring, sowie Schleichpassagen wie in Splinter Cell.

Im Knast angekommen, verschafft sich Riddick nur mit bloßen Händen unter den Häftlingen Respekt. In den blutüberströmten Gängen entkommt er mit Schlagkombinationen einem Hinterhalt: Die rechte Schultertaste lässt die Fäuste nach vorne hämmern, der linke Analogstick reiht mehrere Schläge durch Richtungsänderung aneinander. Die schmerzhaften Aufwärtshaken von Knastkönig Rust wehrt man mit der linken Schultertaste ab. Besser geht's mit Schlagstock und Messer, das man toten Knastbrüdern klaut.

Beim Freigang erledigt man Aufträge für Mithäftlinge, die Geld, Waffen oder Informationen springen lassen. Rund zehn Waffen sind im Gefängnis zu finden, doch nur das Wachpersonal hat Schrotflinte und Maschinengewehr. Greift man die Schergen direkt mit den Fäusten an, ist Riddick ruckzuck durchlöchert.

Deshalb schleicht sich der Muskelprotz unauffällig an den Aufseher ran. Durch Druck auf den linken Analogstick schaltet man in den Schleichmodus. Das Sichtfeld ist erweitert und man geht in der Hocke lautlos voran. Patrouliert eine Wache im Duschraum, packt man sie von hinten: Ein Genickbruch schaltet den überraschten Wächter sofort aus, via X Taste rammt man ihm ein Messer durch den Hals.

Damit die Leiche keine anderen Wärter alarmiert, versteckt man sie hinter Frachtkisten oder in dunkeln Abluftrohren. Wunden heilt man an aufgestellten Nanomed-Automaten. Bis zu vier Energiepunkte füllt die Maschine wieder auf, bevor sie den Geist aufgibt. Gelegentlich hangelt sich Riddick an Gitterverstrebungen oder Kanten entlang. Er klettert auf Transportbehälter und an Leitern, springt über Absperrungen ins unten gelegene DNA-Labor. In der düsteren Untergrundkanalisation sieht man mittels 'Eyeshine' wie Sam Fisher mit seinem Nachtsichtgerät - die verräterische Lampe des Maschinengewehrs bleibt aus.

Zugangs-Codes für verschlossene Türen findet man auf elektronischen Karten, die Wachen mit sich herumtragen. Hat man den richtigen Aufseher erledigt, zeigen Textkästen sein Inventar an - mittels X Taste wandern Munition und Codekarten ins Marschgepäck. Auch Geld findet man oft in den Taschen, für das man im Gefängnisbereich 'Tower 17' Schlagstöcke kauft oder Wetteinsätze bei Kämpfen Mann-gegen-Mann platziert.

Stellenweise ist Chronicles of Riddick linear, später erhält man im 'Tower 17' Abschnitt gleich mehrere Aufgaben auf einmal: Im Menü sind nicht nur alle Gegenstände und eine Karte zu finden, sondern auch die Missionsziele sind vollständig aufgelistet. Aufmerksamkeit wird belohnt: Unter Pritschen und im Spind findet man Zigarettenpackungen, die Extras wie Artworks und Konzeptentwürfe freischalten. Speicherpunkte aktivieren sich automatisch, die gleichzeitig Rücksetzpunkte sind.


(Mehr Infos, z.B. zu den Aufgaben und Normal Mapping, in GAMEFRONT Nr. 44)




Videospiele zu Kinofilmen müssen nicht zwangläufig in die Hose gehen, was Chronicles of Riddick beweist. Zwar handelt das Spiel zeitlich vor dem Vin Diesel-Streifen, doch ist die Atmosphäre wie auf der großen Leinwand. Das heruntergekommene Gefängnis, die versifften Insassen und die sadistischen Wachen kommen glaubhaft rüber, was besonders an der phänomenalen Grafik liegt.
Aufwändiges Bump Mapping verziert Gefängniswand und Stahltor, hochauflösende Gesichts- und Körpertexturen machen jeden Charakter zu einem nahezu photorealistischen Akteur. Man erkennt dank Normal Mapping Muskelgruppen, Bartstoppeln und Gesichtsfalten - die Modellierung sämtlicher Polygonprotagonisten ist herausragend.

Die edle Grafik hat aber ihren Preis: In der Ferne sind niedrigaufgelöste Texturen mit starker Verpixelung. Die Framerate ist beim nach vorne laufen flüssig, bei Drehungen der Kamera deutlich unter der 30 fps Marke.

Die Schleichpassagen zeigen sich im Vergleich zu Splinter Cell tolerant. Selbst wenn man eine Wache von der Seite angreift oder auch mal direkt vor ihr her huscht, gibt es keinen Alarm - der Nervenkitzel ist deutlich niedriger. Die hinterhältigen Angriffe aus dem Dunkel sind brutal, der Genickbruch ist noch die harmloseste Todesart. Das Verstecken der Leichen ist realistisch animiert und makaber: Die Körper verdrehen beim Wegschleifen den Kopf, die Beine baumeln leblos hin- und her.

Die Kämpfe im Ego Shooter Stil sind dank ordentlicher Gegnerintelligenz auch für Anfänger herausfordernd. Wachen weichen Schüssen aus, schreien nach Verstärkung oder verschanzen sich hinter einem Getränkeautomat. Hat man eine Uniform gefunden, fällt man unter den Wachen zunächst nicht auf. Doch schaltet man in den Schleichmodus, wird ein Posten misstrauisch und schießt. Flüchtet man durch die Quartiere, ist nach einer Weile wieder Ruhe: Die Aufseher haben dort noch nichts von Riddicks Enttarnung mitbekommen.

Die Waffenwechsel wirken etwas holprig, machen aber Sinn. Hat man eine Waffe gewählt, drückt man zur Bestätigung die Feuertaste - umständlich. Doch hätte man die Waffe sofort beim ersten Tastendruck in der Hand, würde man in einigen Gebieten wie 'Tower 17' sofort von den Selbstschussanlagen erledigt. Auch die ungewöhnlichen Nahkämpfe funktionieren, Schlagserien und Blocken sind kein Problem.

Ringkämpfe gegen Geld, Vergiften von Bandenmitgliedern oder das Suchen einer 'Voice Box' in der Kanalisation: Fernab von Ballern und Schleichen halten Aufträge auf Trab und sorgen für Kurzweiligkeit.
Phantastische Synchronsprecher bereichern die erstklassige Atmosphäre. Derbe Dialoge lassen Tommy Vercetti wie einen Chorknaben wirken - auf die deutsche Synchro bin ich gespannt. Die Musik reagiert auf die Action: Kauert man im Dunkeln, ist sie ruhig, im heißen Schusswechsel peitscht sie auf.

Chronicles of Riddick ist mit seiner Bombastgrafik und der spielerisch hohen Vielfalt ein grandioses Action-Feuerwerk: Schleichen, Ballern, Gespräche führen und Nebenaufgaben erledigen - der Knastalltag zeigt sich stressig statt eintönig. Technische Defizite bei den Texturen nimmt man gerne in Kauf, denn der Rest stimmt. Die Atmosphäre ist genau so beklemmend wie in Gefängnisstreifen a la 'Fortress' (1993). Mit rund vierzehn Stunden ist die Flucht aus dem Knast kurz, aber knackig.




Wer hätte das gedacht? Chronicles of Riddick entpuppt sich als Top-Hit, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Während fast täglich News zu Doom 3 auftauchten, landete das Testmuster eher unbemerkt auf meinem Schreibtisch. Spiel zum Film? Das kann doch nichts sein! Weit gefehlt.

Die Grafik gehört zum Besten, was die Xbox zu bieten hat. Gerade die genialen Charaktermodelle und die Umgebung mitsamt ihrem Bump Mapping sehen überragend aus - besser kriegt es wohl auch Doom 3 nicht hin.

Oft zoomt man an Tür und Gesicht heran, weil man die hohe Qualität der Grafik nicht für möglich hält. Etwas entfernt stehende Objekte sind allerdings leicht bis stark verpixelt: Schaut man am Anfang im Gefängnishof nach oben, sieht man starke Treppchenbildung an Wachturm und Mauer - die Xbox stößt an ihre Leistungsgrenze.

Bei den Soundeffekten heben sich besonders die Umgebungsgeräusche ab. Sind Aufseher oder Insassen am reden, werden ihre Dialoge beim Annähern immer lauter. Lauscht man an einer Tür, hört man Gemurmel oder Gespräche.
Überwachungskameras surren, verzerrte Lautsprecherdurchsagen aus der Ferne dringen durch die Nacht. Jeder Knastbruder hat eine eigene Synchronstimme, die so in jedem Hollywood-Streifen glaubhaft rüber kommen würde. Vin Diesels tiefe Stimme lässt jeden Schockanrufer neidisch werden.

Riddick ist kein reiner Shooter und auch kein durchgehendes Stealth Abenteuer. Die Mixtur aus Dialogszenen, Schleichen, Nahkampf und 3D Shooter ist erfrischend und lässt keine Langeweile aufkommen. Ehe man sich versieht, ist das Ganze auch schon zu Ende. Selbst im normalen Schwierigkeitsgrad kommen Anfänger zügig voran.

Mit Brutalität geizen die Starbreeze Studios nicht. Im Faustkampf spritzt Blut aus dem Mund des Gegners an die Wand, Einschüsse mit dem MG werfen ganze Fontänen auf den Boden. Wachen schießen Hilflose aus Spaß über den Haufen; niemanden scheint's zu kümmern. Das Wegziehen der Leichen ist makaber, denn Kopf und Beine schleifen wie bei einer Marionette leblos über den Boden.

Jeder Ortswechsel von größeren Bereichen wie von der 'Recreation Area' zur 'Feed Ward' ist mit langen Ladezeiten versehen. Nervig, besonders wenn man öfter zwischen einigen Gebieten hin- und herlaufen muss.
Die Geschichte steht der von einschlägigen Knastfilmen in nichts nach. Man gerät in Bandenkriege, entdeckt entstellte Kreaturen im Untergrund und erledigt für Mithäftlinge Aufträge. Der Gefängnisdirektor hat ein ganz besonderes Auge auf Riddick geworfen, der nach und nach geheime Kräfte an sich entdeckt.

Ganz klar gehört Chronicles of Riddick neben Halo zu den besten 3D Actionspielen auf der Xbox. Der Spielverlauf bietet ein hohes Maß an Abwechslung - von hitzigen Schusswechseln bis hin zu coolen Schleichpassagen mit verändertem Sichtfeld. Die Synchronsprecher sind Weltklasse, der Soundtrack ist filmreif. Abgesehen von teilweise hässlicher Verpixelung und niedriger Framerate ist die Grafik spitzenmäßig: Zuletzt hat mich nur Enclave ähnlich stark beeindruckt. Dass man im Knast meistens ein Einzelgänger ist, hat Starbreeze wörtlich genommen: Einen Mehrspieler-Modus hat man komplett weggelassen.





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