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Titel: Wipeout Fusion
System: PlayStation2
Hersteller: Sony
Entwickler: Studio Liverpool
Version: PAL


Formel 1-Schlitten und Ferrari-Sportwagen haben ausgedient: Die Rennen der Zukunft finden in tonnenschweren Gleitern statt, die schwerbewaffnet über dem Boden schweben und locker die Schallmauer durchbrechen.



Nach drei PSone-Ausflügen setzt Sony mit Wipeout Fusion auf der PlayStation2 die futuristische Rennspiel-Serie fort. Anfangs sind nur die vier Teams feisar, auricom, g-Tech und van uber mit je zwei Piloten fahrbereit. Geheime Spitzen-Teams wie Piranha oder Tigron sind erst nach etlichen Siegen anwählbar. Bei der Auswahl berücksichtigt man Höchstgeschwindigkeit, Schub, Schild- & Waffenstärke sowie Bremskraft des Gleiters.

Die acht Renngebiete sind auf der ganzen Welt verteilt. Im Dschungel-Dickicht von 'Alca Vexus' rast man ähnlich einer Achterbahn auf und ab, sieht durch einen transparenten Boden den riesigen Urwald, bevor man über eine Steilkurve in einen düsteren Tempel an lodernden Feuer-Säulen vorbei donnert. Schummrig ausgeleuchtete Tunnel-Systeme, Korkenzieher-Abschnitte wie in 'Wipeout 3' und knallharte Zick-Zack-Kombinationen kennzeichnen den engen City-Kurs in Moskau. Im chinesischen 'Mandrashee' düst man hinauf bis in die Wolken: Urplötzlich endet die Strecke und man fliegt wie ein Stein auf die im Tal liegende Stadt zu.

Extreme Fernsicht, Höllentempo und Transparenzen sind selbst für die PS2 in dieser Situation zuviel - die Konsole geht mit einem Slowdown in die Knie. Erst nach einer kurzen Ruckelfahrt klettert die Framerate wieder auf konstante 50 fps. Versteckte Spezial-Strecken wie das auf dem Mond liegende 'Katmoda 12' sind Profis vorbehalten und erst nach mehreren Erstplatzierungen anwählbar.
Leichter Bodennebel, Schneeverwehungen und Regen schränken das Blickfeld ebenso ein wie blendendes Sonnenlicht, Explosionen und Rauchwolken. Die Gleiter fahren über sandige Abschnitte wie in 'Star Wars Episode 1 Racer' und wirbeln Staub auf, der die Sicht stark behindert. Auf den kurzen Abstechern fernab des normalen Tracks stehen Eisbrocken, Felsen und Bäume mitten auf dem Parcours - Anfänger krachen bei Höchstgeschwindigkeit laufend in die Hindernisse. In besonders engen Kurven aktiviert man mit den Schultertasten die Luftbremsen und legt sich noch stärker in die Abbiegung. Jeder Kurs ist in drei unterschiedlich lange Renn-Strecken unterteilt, die auch rückwärts zur Verfügung stehen. Ähnlich wie in 'Ridge Racer V' sind die kurze Start- und Zielgerade immer identisch, der Rest sind ausgebaute neue Passagen.
Um das Feld während der Rennen auf die neuen Abschnitte zu leiten, sind Abfahrten mit Energie-Schranken blockiert.

Trödler brauchen nicht in Panik zu geraten, denn weder Zeitlimit noch Checkpoints sorgen für Hektik. Mit der Dreieck-Taste wechselt man zwischen vier Perspektiven, zwei Von-Hinten- und zwei Cockpit-Ansichten. Von Aussen sieht man sogar den Piloten, der bei jedem Manöver energisch den Kopf bewegt.
Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, sind alle Gleiter mit über 20 Waffensystemen ausgerüstet. Zu Beginn steht nur die Hälfte zur Verfügung: Autopilot oder Gravitationsbombe lassen sich erst nach Top-Platzierungen und Turniersiegen blicken. Die Waffen sammelt man beim Überfahren von bunten Energie-Streifen nach dem Zufallsprinzip auf und aktiviert sie via R1-Taste. Eine unerwünschte Wahl wie die lahme Protonen-Kanone wirft man mit der Viereck-Taste über Bord.

Neben den altbekannten Standard-Waffen Verfolger-Rakete, Schutzschild, Turbo oder Mine, gibt's auch einige neue: Die Gravstinger errichtet eine kleine Schranke, die jeden Piloten beim Hineinfahren abbremst und für einige Sekunden festhält. Springgranaten nutzen die Beschleunigung des Gleiters und kullern beim Abschuss über die Strecke. Mit dem Flammenwerfer bringt man seine Konkurrenz zum kochen und schickt sie qualmend in die Boxengasse. Doch nur die besten Fahrer erhalten Zugang zu geheimen Super-Waffen wie Seismischen Feldern, Orbital Laser oder Bio-Fallen.
Die fünfzehn Konkurrenten sind aggressiver denn je und machen ausgiebigen Gebrauch von den Waffen, so dass manchmal nur die Hälfte des Feldes ins Ziel kommt. Mit der L Taste schaut man nicht nur nach hinten, sondern feuert auch auf seine Verfolger. Welche Waffen Verwendung finden hängt vom eigenen Fortschritt ab - die CPU-Fahrer benutzen fairerweise nur das freigeschaltete Equipment, über das man selbst verfügt. Berührungen mit anderen Gleitern oder der Fahrbahnbegrenzung lassen die Schildenergie ebenso sinken wie der Einschlag einer Waffe. Bei nur noch 6 Energiepunkten schrillt der Alarm, und ein Besuch in der Boxengasse ist unausweichlich. Wie in den Vorgängern flitzt man über eine Ladestation, die frische Energie in die Schilde pumpt.
Man startet grundsätzlich vom 16. Platz, ein Countdown fehlt: Nur wenn man exakt beim 'Go!'-Schrei des Sprechers auf's Gas drückt, gelingt ein Schnellstart von der letzten Position. Mit der X-Taste gibt man Gas und lässt den Raketen-Antrieb glühen. Beim Überfahren der zahlreichen blauen 'Speed-Up'-Felder erhält man einen Extra-Schub. Wer jedes Beschleunigungsfeld mitnimmt ist nicht selten schneller als 3000 km/h. Punkte gibt es sowohl für gute Platzierungen als auch für das Vernichten von Gegnern. Das in den Turnieren gewonnene Preisgeld wandert ins Tuning (s. Kasten). Eine weibliche Sprachausgabe informiert über den Schildstatus, aktivierte Waffe und warnt vor eintrudelnden Raketen. Der Stadion-Sprecher brüllt hingegen Rundenrekorde und die Eliminierung von Gegnern ins Mikro.
Die 20 Musik-Tracks stammen wieder aus der Techno- & Trance-Ecke. Mit der praktischen Editier-Funktion legt man seine persönliche Song-Liste fest und hört ab sofort nur noch die Favoriten. Auch Mulitplayer-Duelle sind vorhanden: Im vertikal geteilten Bildschirm fährt man ohne Detailverlust gegen einen Freund und sechs CPU-Fahrer.

Weitere Infos zu Tuning und Waffensystemen exklusiv in GAMEFRONT # 37.


FRANK SAYS:

Gelungener Einstand: Die hochkarätige Wipeout-Serie macht bei ihrem PlayStation2-Debut eine sehr gute Figur. Grafisch bestechen weniger detailreiche Texturen, sondern mehr prachtvolle Polygonbauten und herausragende Lichteffekte: In der Metropole 'Vol Square' schimmern Gebäude in unzähligen Farben, bunte Werbetafeln flackern und Scheinwerfer leuchten die Tracks verschieden stark aus.
Auf den Mandrashee-Inseln brettert man über Korkenzieher-Loopings, stürzt durch einen Tunnel auf den Meeresboden und rast durch schillernde Glasröhren - atemberaubend! Die Gleiter sind leichter zu beherrschen als die bleifuss-lastigen Extreme-G3 Geschosse und schlittern dankt Bremsdüsen wendig durch jede 180 Grad Kurve. Das Handling weicht vom schwerfälligen Ur-Wipeout ab und stellt auch Anfänger vor keine allzu grossen Probleme: Statt träge den Berg hinaufzujuckeln und auf jeden Beschleunigungs-Streifen angewiesen zu sein, sorgt der Raketenantrieb mit schickem Abgasstrahl für genügend Power und Mobilität.

Der Waffen-Einsatz ist weniger taktisch als in den Vorgängern, denn Plasma-Bolzen und Autopiloten setzte man bislang in strategisch wichtigen Situationen ein, häufig erst kurz vor der Zieldurchfahrt. Das Überangebot an Waffen lässt für derlei strategische Spielereien keinen Platz. Wer nicht konsequent bombt und ballert hat bereits nach der ersten Runde nichts mehr zu melden.
Wie stark die Waffen in den Mittelpunkt gerückt sind, bekommt man besonders dann zu spüren, wenn einen mehrere Geschosse gleichzeitig treffen: Die 'Gravstinger'-Falle zwingt einen zum Anhalten, gleichzeitig detonieren Granaten am Bug des Gleiters und eine Erdbeben-Welle schleudert das Schiff in die Höhe! Schlimmstenfalls reisst das Erdbeben die Polygonbauten auseinander und man stürzt von der Fahrbahn. Besuche in der Boxengasse sind in jeder Runde Pflicht. Die cleveren Computer-Fahrer aktivieren ihre Heckwaffen, wenn man ihnen zu nahe kommt oder machen endlich auch energisch Jagd auf ihre CPU-Kollegen, die eine grössere Bedrohung darstellen als der Spieler.
Der Wegfall der edlen 'Designers Republic'-Präsentation sorgt für lange Gesichter: 'Funktionalität statt Stil' lautet die Devise, welche die schlichten Menüs auszeichnet. Die hervorragenden Soundeffekte klingen nach Computer-Konsolen wie in 'Star Trek', Explosionen, Antrieb und Waffen-Einsatz wummern mit R-Type Delta-Wucht aus den Boxen. Die Musik ist dagegen durchwachsen: Während einige Tracks mit monotonen Beats und verhaltenen Bass-Attacken kaum ohrwurmtauglich klingen, sind Songs wie 'Papua New Guinea' von Future Sound Of London zeitlose Meisterwerke.

Das neue Aufrüst-Feature, die vielen Spielmodi (Wettbewerbe, Herausforderung, Arcade) und Strecken machen Wipeout Fusion zum umfangreichsten Gleiter-Rennen: Mehr als 3/4 der Teams, Tracks und Waffen sind erst nach zahllosen Siegen freigeschaltet!
Es ist grafisch weniger eindrucksvoll und komplex als Gran Turismo 3, punktet aber mit aussergewöhnlichem Gleiter-Fahrgefühl und aufregenden Waffen-Einsätzen. Selbst bei Höchstgeschwindigkeit bleiben die Gleiter steuerbar, kurven über phänomenale Polygonkonstruktionen und bieten überragende Kopf-an-Kopf-Duelle: Wipeout Fusion gehört zu den besten PS2-Rennspielen und lässt sowohl die PSone-Vorgänger als auch PS-Monster wie Ridge Racer V alt aussehen.



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